In Rostock werden bereits in vielen Bereichen Kinder- und Jugendbeteiligungsprozesse durchgeführt, geleitet von verschiedenen Fachämtern und freien Trägern. Seit der ersten Kinder- und Jugendbeteiligungskonferenz im März 2024 hat sich viel bewegt: Das Kinder- und Jugendbeteiligungsgesetz M-V ist in Kraft getreten, der Kinder- und Jugendbeirat Rostock hat seine Arbeit aufgenommen und eine Redaktionsgruppe arbeitet an kommunalen Leitlinien für Kinder- und Jugendbeteiligung.
Am 26. März 2026 fand unter dem Motto „Gesetz gemacht – Beteiligung gelebt?“ die zweite Rostocker Kinder- und Jugendbeteiligungskonferenz (KiJuBeKon II) im Stadtteil- und Begegnungszentrum Toitenwinkel statt. Mehr als 100 Teilnehmende aus Verwaltung, Politik, Schule, Kita, Hort, Jugendhilfe, Kirche, Sport, Kultur, Ehrenamt und jungen Menschen kamen zusammen, um Bilanz zu ziehen: Wie gut wird Kinder- und Jugendbeteiligung knapp zwei Jahre nach Inkrafttreten des KiJuBG M-V in Rostock umgesetzt?
Organisiert wurde der Fachtag von der Evangelischen Akademie der Nordkirche in Zusammenarbeit mit der Initiativgruppe Kinder- und Jugendbeteiligung Rostock.
Klare Worte zum Auftakt: Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger betonte in ihrer Videobotschaft, dass demokratische Praxis zunehmend in Frage gestellt werde – und dass gerade Kinder- und Jugendbeteiligung dazu beitragen könne, Demokratie wieder erlebbar zu machen, Diskussionen zu versachlichen und trotz unterschiedlicher Ansichten zu Kompromissen zu gelangen. Mitglieder des Kinder- und Jugendbeirates forderten anschließend, dass Beteiligung nicht nur auf dem Papier existiert, sondern im Alltag tatsächlich gelebt wird.
Fachliche Impulse: Prof. Dr. Karin Böllert (Universität Münster) beleuchtete die kommunalen Gelingensbedingungen für wirksame Beteiligung und betonte, dass Beteiligung keine pädagogische Zusatzaufgabe, sondern demokratische Infrastruktur sei. Nina Günstoff (Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin / AKA:NYX) zeigte, wie theaterpädagogische Methoden Beteiligung spielerisch erfahrbar machen können.
Workshops und Ergebnisse: In zwei Workshop-Phasen arbeiteten die Teilnehmenden zunächst innerhalb ihrer Fachbereiche, dann in gemischten Gruppen an konkreten Fragen: Wo gelingt Kinder- und Jugendbeteiligung bereits? Wo gibt es Schnittstellen zu anderen Bereichen? Was brauchen wir für eine übergreifende Zusammenarbeit? Zum Abschluss wurden konkrete Vereinbarungen und Projekte festgehalten, die in naher Zukunft umgesetzt werden sollen.
Am 13. März 2024 verabschiedete der Landtag das Kinder- und Jugendbeteiligungsgesetz M-V (KiJuBG M-V), welches zum 01.04.2024 in Kraft trat. Am selben Tag fand im Rostocker Rathaus die erste Kinder- und Jugendbeteiligungskonferenz statt. Die Akademie der Nordkirche hatte als Mitglied der Initiativgruppe Kinder- und Jugendbeteiligung Rostock, gemeinsam mit der Oberbürgermeisterin und Botschafterin der Konferenz Eva-Maria Kröger, die Rostocker Verwaltung und interessierte Fachöffentlichkeit dazu eingeladen.
Konferenz mit Aha-Effekten
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Unter der charmanten Moderation von der Dr. Ina Bösefeldt (Geschäftsführerin des Landesjugendring M-V), führte die Konferenz die Teilnehmenden durch diverse Expertenvorträge zu gesetzlichen Grundlagen, aktuelle Forschungen und Umsetzungsstrategien in der Verwaltung. In anschließenden Workshops konnte dieses theoretische Wissen mit Methoden zur praktischen Umsetzung ergänzt werden.
Für die Vorträge zum Thema Grundlagen der Kinder- und Jugendbeteiligung auf der kommunalpolitischen Ebene, waren die Experten Prof. Dr. Waldemar Stange, Leuphana Universität Lüneburg und Carsten Roeder, Leiter des Kinder- und Jugendbüros der Stadt Itzehoe eingeladen. Autor des KiJuBG M-V Florian Krauße vom Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung M-V stellte das Gesetz vor. Marén Wins und André Knabe vom Rostocker Institut für Sozialforschung und gesellschaftliche Praxis e.V. präsentierten die Ergebnisse der von der Initiativgruppe in Auftrag gegebenen „Situationsanalyse zum Thema Kinder und Jugendbeteiligung in Rostock“. Hieraus ergab sich deutlich die Bedeutung der Verzahnung von Jugend(sozial)arbeit, Offener Kinder- und Jugendarbeit, Jugendverbandsarbeit und auch Schule als wichtige Schnittstellen für junge Menschen und kommunale Entscheidungsprozesse.
„Kinder- und Jugendbeteiligung ist Menschenrecht, Grundgesetz, UN-Kinderrecht, Baurecht, Jugendrecht“
und deshalb als „fester Bestandteil des Verwaltungshandelns zu sehen“, so die deutlichen Worte von Prof. Dr. Waldemar Stange.
Das KiJuBG M-V enthält in § 2 die verbindliche Aufforderung „…Kinder und Jugendliche bei Planungen und Vorhaben, die ihre spezifischen Interessen berühren, in angemessener und geeigneter Weise zu beteiligen“. Dahinter steht auch die Schirmherrin der Veranstaltung, die Präsidentin der Bürgerschaft Regine Lück. Auch sie bestätigte ihre Unterstützung zur Beteiligung junger Menschen in der Kommune. So machten beide deutlich: ohne Kinder- und Jugendbeteiligung geht es nicht!
Lebendig wird es in der Praxis
In anschließenden Workshops mit den Referent*innen konnten die Teilnehmenden zu Beteiligungsmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen diskutieren und vielfältige Methoden ausprobieren. Bewegungsaktivität, Schwarminteiligenz und Augenhöhe waren Ziele in der Methodenauswahl.
Flankierend zur Veranstaltung wurden im Foyer Beispiele gelungener Beteiligungsprojekte ausgestellt.
Netzwerke knüpfen für eine starke Beteiligungskultur
Die vielen persönlichen Gespräche, neue Netzwerke, Kontakte, Begegnungen und das Erkennen von Gleichgesinnten innerhalb der Verwaltungsstrukturen haben dem Thema der Veranstaltung ein „Wir-Gefühl“ verliehen – aus meiner Sicht eines der wichtigsten Effekte. So konnten Vorbehalte aufgelöst, Synergien gestärkt und mit der Gründung einer Redaktionsgruppe am Ende der Konferenz die Weiterarbeit am Thema gesichert werden. Mit Vertreter*innen aus verschiedenen Ämtern, der Politik und der Fachöffentlichkeit, wird die Redaktionsgruppe KiJuBe Leitlinien für die Stadt entwickeln, die das neue Gesetz in konkrete Umsetzung bringen soll.
„Ich habe junge Menschen mit meinen Aufrufen im Stadtanzeiger nicht erreicht?! Ich dachte immer, die wollen gar nicht!“
Der Zusammenhang von Partizipation und politischen Handelns war für viele Teilnehmenden eine neue Erkenntnis. Durch den persönlichen Austausch mit politisch aktiven und interessierten Jugendlichen konnten Vorurteile wie: „Die wollen ja nicht.“ und „Die interessieren sich nicht.“ abgelöst werden durch „Das ist ja toll, dass die jungen Leute sich so engagieren!“ und so eines der hartnäckigsten Vorurteile gegenüber Kinder- und Jugendbeteiligung aufgelöst werden: Das Thema konnte als gesellschaftliche Querschnittsaufgabe gesetzt und aus dem ausschließlichen Bereich der Jugendhilfe herausgelöst werden.
Kinder- und Jugendbeteiligung hat Vorfahrt
In ihrer Verabschiedung regte Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger an, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen grundsätzlich in Bürgerbeteiligungsprozessen vorzuschalten und bedankte sich für das Engagement des zukünftigen Kinder- und Jugendbeirats. Die engagierten Jugendlichen zeigten in ihrem Abschlussappell deutlich, wie sehr sie sich einbringen, mitgestalten und Verantwortung übernehmen wollen.
Seit Juni arbeitet die sich formierende Redaktionsgruppe an dem Leitfaden, die Planungsgruppe des Kinder- und Jugendbeirats ist ebenfalls weiterhin aktiv.
Folgeveranstaltungen wurden sich von vielen Teilnehmenden gewünscht.
Die Themen und Ergebnisse dieses Tages werden in Workshops übers Jahr verteilt weiter vertieft. Entstanden sind zu dem ein toller Film über die Konferenz den die Schülerfirma Cinean herstellte und wunderbare Graphic Recordings von Andrea Köster.
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