Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, in allen Belangen, die ihre Lebenswelt betreffen, beteiligt zu werden. Dieses Recht ist in zahlreichen Gesetzen verankert – vom Grundgesetz über die UN-Kinderrechtskonvention und das Baugesetzbuch bis hin zum Kinder- und Jugendbeteiligungsgesetz M-V (KiJuBG M-V), das seit April 2024 in Kraft ist und Kommunen wie Rostock verbindlich dazu auffordert, junge Menschen an Planungen und Vorhaben zu beteiligen, die ihre Interessen berühren.
In Rostock wird Kinder- und Jugendbeteiligung seit vielen Jahren aktiv umgesetzt – von Spielplatzplanungen über Stadtteilentwicklung bis hin zum Kinder- und Jugendbeirat. Denn wenn junge Menschen mitgestalten, profitieren alle: Die Planung wird besser, die Ergebnisse passgenauer und das Vertrauen in demokratische Prozesse wächst.
Kinder- und Jugendbeteiligung bedeutet konkret, dass:
Beteiligung spielt eine zentrale Rolle in der politischen Bildung: Kinder und Jugendliche lernen über Beteiligung, wie Demokratie funktioniert und wie sie ihre Stimme einbringen können. So kann bereits früh einer Distanz zu Politik entgegengewirkt werden.
Die Politikverdrossenheit macht sich auch bei jüngeren Menschen bemerkbar – sei es durch als kompliziert empfundene Themen, als langweilig wahrgenommene Debatten in Räten und Parlamenten oder das Gefühl, dass die Interessen junger Menschen in politischen Entscheidungsprozessen zu wenig berücksichtigt werden. Damit sich die junge Generation wieder für politische Themen interessiert und engagiert, müssen Strukturen aufgebrochen werden: Die Ergebnisse von Beteiligung junger Menschen müssen gemeinsam mit den politischen Entscheidungsträgerinnen ausdiskutiert werden, damit auch die ältere Generation die Perspektiven junger Menschen versteht, ernst nimmt und als politische Repräsentantinnen wirksam werden kann.
Ein wichtiges Feld ist die Stadtteilentwicklung. Die Entwicklung der Stadt soll die Interessen aller Generationen berücksichtigen. Dabei kommt es häufig zu einer Ungleichheit, da der demografische Wandel und die Zusammensetzung der Wählerschaft dazu führen, dass politische Themen oft stärker auf die Interessen älterer Generationen ausgerichtet sind. Generationenübergreifende Beteiligungsformate – wie sie etwa im Studio Südstadt erprobt wurden – können dieses Konstrukt durchbrechen und den Stadtteil für alle Generationen attraktiv gestalten.
Kinder und Jugendliche sind „Expert*innen in eigener Sache“ und verfügen über Spezialwissen, dass in Planungsprozesse einfließen sollte. Durch ihre Einbeziehung steigt die Repräsentativität der Beteiligung – und damit die Qualität des gesamten Planungsprozesses.
Initiativen, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene zusammenbringen, um gemeinsam an Themen zu arbeiten, die für ihre Gemeinschaft von Bedeutung sind. Wichtig dabei: Die Kinder- und Jugendbeteiligung wird der Erwachsenenbeteiligung vorangestellt, damit junge Menschen zunächst eigene Positionen erarbeiten können, bevor sie in den Austausch mit Erwachsenen treten. Grundvoraussetzung ist in jedem Fall eine altersgerechte Ansprache und Methodik.
Austauschforen, in denen verschiedene Altersgruppen Erfahrungen, Geschichten und Perspektiven teilen. Diese Formate schaffen eine Atmosphäre des Respekts und des gegenseitigen Lernens, in der Barrieren zwischen Generationen abgebaut und Verbindungen gestärkt werden.
Die aktive Einbindung junger Menschen in Entscheidungsprozesse – etwa durch Jugendbeiräte, Jugendparlamente, Schüler*innenbeteiligung in der Schulverwaltung oder die Teilnahme an lokalen Gemeindevertretungen. So werden Kinder und Jugendliche ermutigt, Verantwortung zu übernehmen und ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft zu entwickeln.
Mentor*innen ermöglichen es jungen Menschen, von den Erfahrungen älterer Generationen zu profitieren. Peer-to-Peer-Lernen bringt Gleichaltrige zusammen und ermöglicht es Kindern und Jugendlichen, voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam an Projekten zu arbeiten.
Ein besonders wirkungsvolles Format ist das Forumtheater nach Augusto Boal. Kinder und Jugendliche präsentieren in einer interaktiven Theateraufführung Probleme und Hürden aus ihrem Alltag, die sie verändern möchten. Das Publikum ist in der zweiten Hälfte der Vorführung aufgefordert, sich einzubringen und Lösungsvorschläge „einzuspielen“. Das Medium des Theaters schafft dabei Augenhöhe, weil es nicht nur um eloquentes Argumentieren geht, sondern darum, passende Lösungen in der Sprache und Logik der Szenen zu erproben, die die Kinder und Jugendlichen kreieren.
Wichtig in der Umsetzung von Kinder- und Jugendbeteiligung ist nicht nur, passende Formate, Methoden und Ansprache zu finden, sondern auch eine zugewandte Haltung einzunehmen.
Das bedeutet:
Im SGB VIII heißt es: „Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen zu beteiligen.“ Doch wo liegen die Unterschiede zwischen Kinderbeteiligung und Jugendbeteiligung?
Die Unterschiede liegen vor allem in den angewandten Methoden, Formaten und in der Art, wie Themen vermittelt werden. Grundsätzlich gilt: Kinder und Jugendliche sollten nicht in einem einzigen Format beteiligt werden, sondern entsprechend ihrer Altersgruppe und ihrem Entwicklungsstand braucht es passende Formate, Didaktik und Ansprache. Für Jugendliche sehen diese anders aus als für Schulkinder – und für jüngere Kinder, die zumeist gemeinsam mit ihren Eltern beteiligt werden, wiederum anders.
Während sich Themen an jüngere Kinder stärker an ihre unmittelbare Lebensumwelt richten sollten, steigt mit zunehmendem Alter die Auffassungsgabe für komplexere und abstraktere Prozesse. Hilfestellung können dabei die Expertinnen aus den jeweiligen Institutionen wie Kita, Schulen und Stadtteil- und Begegnungszentren geben – besonders bei jüngeren Teilnehmerinnen sollten sie immer einbezogen werden. Wichtig ist dabei: Kinder und Jugendliche vertreten ihre Interessen selbst. Die Expert*innen begleiten, aber ersetzen ihre Stimme nicht.
Auf Initiative des Rostocker Stadtjugendrings wurde am 20. Dezember 2012 aus einem verbandsinternen Arbeitskreis eine offene Arbeitsgruppe „Jugendbeteiligung in der Hansestadt Rostock“ gegründet. Seither gibt es die enge Zusammenarbeit mit dem Amt für Jugend, Soziales und Asyl und weiteren Partnern, die sich dem Thema „Kinder und Jugendbeteiligung in Rostock“ mit besonderem Interesse und Engagement verschrieben haben.
Im Rahmen der Umsetzungsprozesse der beiden Bundesprogramme „Handeln für eine jugendgerechte Gesellschaft“ und „Demokratie Leben“ hat sich die Zusammenarbeit in der IG intensiviert.
Heute ist die „Initiativgruppe Kinder- und Jugendbeteiligung HRO“ (IG KijuBe HRO) ein Arbeitskreis von Fachkräften und Multiplikatoren, die Interesse für die Entwicklung einer gelingenden Beteiligungskultur mit jungen Menschen haben und sich für die dafür notwendigen Strukturen, Arbeitsweisen und anderen Rahmenbedingungen in Rostock engagieren. Die IG KijuBe HRO versteht sich als Impulsgeberin für das Thema Kinder- und Jugendbeteiligung und setzt sich für lebendige, ressortübergreifende Prozesse der Kinder- und Jugendbeteiligung und Jugendpolitische Mitbestimmung in Rostock ein.
Amt für Bürgerkommunikation und Wahlen
Koordinierungsstelle für Bürgerbeteiligung:
Josephine Ulrich und Sebastian Hampf

Amt für Finanzen und Planung - Jugend und Soziales
Kinder-, Jugend- und Familienkoordinatorin: Andrea Wehmer
Fachkraft Jugendschutz: Monique Bech
themenbezogen weitere, z.B. Fachberatung Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit: Yvonne Treder

Evangelische Akademie der Nordkirche
Jugendbildungsreferentin: Juliane Dieckmann
Rostocker Stadtjugendring e.V.
Jugendkoordinatorin: Katrin Schankin
Kinder- u. Jugendbeteiligungsmoderatorin: Annkatrin Lange
Kooperationspartnerin
Bunt statt braun e.V. | Koordinierungs- und Fachstelle der Lokalen Partnerschaft für Demokratie Leben! HRO, Verantwortlicher für das Jugendforum
Gäste können sein
Schwerpunkte der Arbeit der IG sind:
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Wenn Du Fragen zum Ablauf oder zu den Vorhaben der Stadt hast, melde Dich hier:
STABSSTELLE
MITWIRKUNG UND BÜRGERBETEILIGUNG
Mail:
buerger_innenbeteiligung@rostock.de
Telefon:
0381 381 1435